ort des glücklichen zufalls
paradiesgarten als temporäre installation im rahmen des festivals soho in ottakring, wien (a)
2006

die baustelle der neugestaltungsmassnahme verwandelt den brunnenmarkt (einst längster frischwaren markt europas) in eine brache. der paradiesgarten unterzieht das negativ besetzte bild der ausgegrenzten fläche einem konnotationswandel. auf der baustelle des brunnenmarktes wird ein paradiesgarten ausgesetzt: ein geviert aus baustellengittern ist aus dem öffentlichen raum ausgenommen. unerreichbar für die passanten reifen paradeiser und anderes marktgemüse. die nicht zu betretende baustelle am brunnenmarkt wird in einen temporären paradiesgarten transformiert. der mit baustellengittern umschlossene hortus gewährt als archetypisches garten-urbild einblicke in ein paradieszitat: das paradies, ein garten, ein sehnsuchtsgedanke - projezierte hoffnung. die sehnsucht nach dem längst verlorenen arkadien quer durch alle kulturen.

die interpretationsebenen sind offen. der garten in der stadt verknüpft marktgüter mit ihren ländlichen ausgangsprodukten und produktionslandschaften. die besetzung und urbarmachung der aktuellen baustelle als hoffnungszeichen für einen neuen zustand. das paradies findet im aufstrebenden brunnenviertel seine neue heimat. in der brunnengasse spiegelt die transformierte stadtlandschaft die sehnsucht der städter nach dem ländlichen raum wider. der ideengeschichtliche bezug des gartens - über religionen und kulturen hinweg - ist die sehnsucht nach dem verloren gegangenen oder nach dem tod zu erwartenden paradies. dabei leitet sich das wort garten vom mittelhochdeutschen ghortos : flechtwerk, zaun ab. die ein- oder abgrenzung aus der umgebung stellt einen wesentlichen bestandteil des gartens dar. der schutz der gärtnerischen früchte vor wilden oder später domestizierten tieren war lange zeit eine voraussetzung für den bestand der anlage. pairi-daeza ist persisch für „eine mauer, die einen garten umschließt“.

islamische gärten stehen seit jeher als oasen und sinnbild des paradieses in karger landschaft. das brunnenviertel hat - auf seine freiraumsituation bezogen - ähnlichkeiten mit einer wüste. die grünräume, die im alltag der stadt eine auszeit gewähren könnten, sind rar. der brunnenmarkt selbst hat daher oasen-funktion. hier werden täglich frische waren feilgeboten, der kulturelle mix unter den besuchern belebt die gassen.

kinder übernehmen patenschaften für gemüse, gemeinsame gies- und ernteaktionen verknüpfen die produkte des marktes mit dem sichtbaren wachstumsprozess.

größe: 42 m2
kooperation: verein soho in ottakring, hblfa gartenbau wien - schönbrunn
veröffentlichung: soho in ottakring, ula schneider, springer verlang wien/new york 2008
externe links: freiluftsupermarkt

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