volkspark 2.0
erlebniskonzept für die deponie solingerstrasse remscheid (d)
20009

das partizipative entwicklungskonzept für einen sich selbst generierenden volkspark 2.0 setzt auf die integration der bürgerinnen remscheids. mit einer geringen initial-investition wird ein robuster räumlicher rahmen geschaffen, der den künstlichen bodenaufbau auf der deponie nutzt um ökologisch breit gestreute standorte und vegetationsbereiche entstehen zu lassen. ein differenziertes wegesystem und kristallisationspunkte bieten möglichkeitsräume zur entwicklung und fortschreibung des parks durch eine vielzahl selbstorganisierter nutzer und gruppen in einem kontinuierlichen prozess. aus der kombination von neuen freizeitnutzungen und alten landnutzungsformen entsteht eine nachhaltige freizeitattraktion für die naherholung in remscheid und den touristischen verbund im bergischen land. die rekultivierung der deponie solinger strasse in remscheid kann nicht von einer einzelnen geplanten attraktion oder einer investition abhängig gemacht werden. vielmehr muss es darum gehen, ein krisensicheres konzept zu entwickeln, welches die bewohnerinnen remscheids als akteure in die nachnutzung und den betrieb eines freizeitparks einbindet. ein volkspark 2.0 strebt die nutzung ökologischer sukzession und sozialer aneignungsprozesse als integralen bestandteil an. kollektive kreativität wird teil des handlungsmodells. es kommt zu einer synchronisierung formeller und informeller prozesse. dadurch entstehen aneignungsmöglichkeiten mit eigendynamik. die anfangsinvestition wird auf ein minimum reduziert, lokale prozesse sichern eine nachhaltige entwicklung und den kostengünstigen betrieb des parks durch die remscheider.

1. aktivierung ökologischer prozesse. die deponie ist ein system vom menschen gemachter böden. das pflanzkonzept nutzt diese tatsache indem es den bodenaufbau zum bestimmenden standortfaktor im vegetationskonzept macht. durch eine abnehmende gründigkeit und entsprechende zusammensetzung des bodens entsteht innerhalb der gegeben topographie ein breiter gradient an lebensbedingungen. die initialpflanzung entwickelt sich in verschiedenen vegetationszonen und erzeugt in dichter folge unterschiedliche ökologische qualitäten, landschaftsbilder und erlebnismöglichkeiten. im unteren teil auf der vorschüttung wächst auf tiefgründigem boden ein laub-mischwald mit eichen, eschen und ahorn. darin stehen eingestreute walnuss bäume. die ernte der nüsse von jedem baum übernimmt je ein remscheider.

2. erfahrbarkeit und choreographie. ein differenziertes wegesystem erschließt den volkspark 2.0 und ermöglicht die erlebbarkeit für unterschiedliche benutzer. die choreographie von bewegung und blick führt zur erfahrbarkeit des landschaftsraums als park. jede epoche der parkgestaltung zeichnet sich durch ein spezifisches bewegungsmuster aus (barocke achsen, beltwalks im landschaftspark, ...). die wege durch die deponie weisen unterschiedliche steigungen, breiten, oberflächenbeschaffenheiten und führung auf. sie erschließen unterschiedliche ausblicke und wahrnehmungsmöglichkeiten für jeweils andere nutzergruppen. der wanderweg / zielweg verknüpft alle parkteile in gemächlicher steigung auf einem breiten und gemütlichen weg, der auch barrierefrei zu benutzen ist. er verbindet auch morsbach mit der kuppe für fahrradtouristen des bergischen trassenverbundes. er nutzt den verlauf der bestehenden arbeitsstrassen auf der deponie. für sportliche wanderer gibt es einen steileren steig, der in direkterer verbindung von oben nach unten den hang quert. ein downhill bike-track führt abseits der übrigen wege sehr steil durchs gelände und schafft alpine erfahrungsmöglichkeiten im volkspark. einschienenzahnradbahn . für menschen mit mobilen einschränkungen gibt es zusätzlich eine kostenfreie einschienenbahn, die das plateau auf der kuppe mit dem talgrund in morsbach und der zwischenstation an der gartenalm verbindet. solch eine „mono-rack-bahn“ erleichtert normalerweise die arbeit der winzer in den steillagen. bei steigungen von rund 100% bewältigt die zahnradbahn den personen- und materialtransport. die bahn hat zum einen geringe anschaffungs- und betriebskosten und zum anderen eine dezentrale lastverteilung durch viele kleine flachgegründete fundamente. die abdichtung der deponie bleibt unverletzt. der antrieb erfolgt mit elektromotoren. die bahn wird direkt mit dem strom aus den solarseen auf dem plateau betrieben. vor allem den älteren parkbesuchern können so bereiche erschlossen werden, die durch die topographie für sie sonst schwierig erreichbar wären. als attraktion des volksparks kann man bei der fahrt die aussicht auf das umland genießen. zahlreiche eingänge vernetzen den volkspark mit seiner umgebung. am haupteingang solinger strasse stehen 100 stellplätze zur verfügung. ein besucher- und informationspavillon informiert über die geschichte der entsorgung auf der deponie sowie über heutige möglichkeiten von stoffkreisläufen, müllvermeidung und recycling.

3. öffnung und initialaktivierung. heute kommen viele leute nur wegen der lamas vorbei. vor allem die kinder sind begeistert. um die landschaftliche pflege des areals mit einfachen mitteln gewährleisten zu können, werden weidetiere eingesetzt. hier würden sich z.b. schafe oder ziegen eignen. um jedoch einen marketingtechnischen impuls im volkspark 2.0 zu setzen, schlagen wir die zucht von exoten wie neuweltkameliden vor: lamas, alpacas, guanakos, vicunjas. diese können als sanfte gärtner und rekultivierer agieren. lamas und alpakas sind in deutschland bereits auch als landwirtschaftliche nutztiere anerkannt. sie stellen bei der haltung und pflege an ihre besitzer keine hohen ansprüche. sie sind äußerst genügsam und robust. neuweltkameliden haben eine lebenserwartung von ca. 20 jahren. in ihrer heimat den anden, sind sie in höhen bis 5.000 m extremen temperaturschwankungen ausgesetzt. unser klima stellt daher kein problem dar. auf dem oberen plateau des parks könnte eine herde von ca. 20-30 tieren ihre basisweidefläche erhalten. die bewirtschaftung erfolgt im wechselweidensystem. die tiere benötigen lediglich einen unterstand. die jetzige zaunanlage um die deponie bleibt erhalten. an den eingängen sorgen weideroste oder viehgatter für den verbleib.

auftraggeber: stadt remscheidt
größe: 22,5 ha
kooperation: eyland07

verwandte projekte:

11taiwan
  14mila
  04schin