die wiederentdeckung einer industriebrache
machbarkeitsstudie aeg-nordareal, nürnberg (d)
2010-2011

die machbarkeitsstudie operiert auf zwei ebenen. sie zeigt räumlich, gestalterische entwicklungsmöglichkeiten auf, zoniert, identifiziert zugänge, bewegungslinien, schlägt vegetations-systeme vor und formt raumzusammenhänge. als zweite ebene werden für die entwicklung und etablierung des neuen freiraums strategien aufgezeigt. diese integrieren anwohner, nachbarn und unterschiedliche bürgergruppen in den prozess der gestaltung und nutzung eines neu entstehenden parks. diese strategien für das aeg areal orientieren sich an drei kernaspekten:

sozialer mehrwert: entwicklung und bau des aeg parks integriert bürgerschaftliches engagement und bindet lokales potential an arbeitskraft und wissen ein. die budgetierung und bautechnische umsetzung des parks unterstützt lokale ökonomien und wirtschafts- und stoffkreisläufe. (moderierter eigenbau, baugruppen). ökonomischer mehrwert: die maßnahmen zur umnutzung des areals entwickeln raumqualitäten aus den vorhandenen strukturen und potentialen und reduzieren investitionen auf ein nötiges minimum. ein fokus liegt auf grundlegenden bautechniken und prozessorientierter gestaltung. (low tech). ökologischer mehrwert: der umgang mit altlasten und die sicherung vor umweltschäden werden zum integrierten bestandteil eines gestaltungsprozessen im park. ein vegetationsmanagement unterstützt notwendige abbau- oder entgiftungsabläufe (phytoremediation).

ausgangslage: durch den rückzug alteingesessener industrien aus innerstädtischen, flussnahen stadtgebieten entstehen in nürberg wie in zahlreichen anderen städte urbane potentiale. die vorliegende studie dient im aeg_nordareal der machbarkeitsprüfung neuer freiflächennutzungen, die einen über jahrzehnte verschlossenen stadtbaustein erschließen und beziehungen zwischen stadt und fluss wiederherstellen. potentiale: die nachbarschaften von kleingartenkolonien, sport- bzw. jugendeinrichtungen und die lage an der pegnitzaue werden als lagegunst identifiziert. entsprechend sind erste zugänglichkeiten vorzusehen und akteure für den park zu gewinnen. über die pegnitzaue ist eine autofreie anbindung an die innestadt durch radwegeverbindungen gewährleistet. vorhandene infrastrukturen, insbesondere bauliche anlagen, oberflächen und wassersysteme können tiefgreifender analysiert und für den park nutzbar gemacht werden.

aktivierung: die künftige innenerschliessung ermöglicht eine erste durchwegung, erschliesst ruhende potentiale und erzeut erste wahrnehmungen. geeignete moderationen begleiten deshalb den planungsprozess und aktivieren bürgergruppen. an kristallisationspunkten und in möglichkeitsräumen (parkwerkstatt, arbeitscamp) des parks werden die park-pioniere in die entwicklung eingebunden. diese besitzergreifung des parks lenkt geschwindigkeit, schwerpunkte und richtung des entstehungsprozesses. entwicklung: für den aeg park werden keine fertigen raumfolgen, vegetations- oder nutzungsmuster entworfen. vielmehr werden initialzündungen für einen prozess gegeben, der in einem klaren rahmen rückkopplungen von nutzung, bau und ausrichtung ermöglicht und erfordert. pflanzungen werden für absehbare sukzessionsprozesse angelegt, standortbedingungen entsprechend angepasst und räumliche gliederungen als dynamische systeme konzepiert. entwerfen, gestalten und benutzen werden als interaktive, phasenverschobene betrachtungsvorgänge verstanden, die den aeg park kontinuierlich fortschreiben. es entsteht ein lebendiger und spannender stadtbaustein als echter „frei-“raum, der vielfache funktionen erfüllt, die über eine klassische grünanlage hinausweisen.

auftraggeber: stadt nürnberg, stadtplanungsamt
größe: 10 ha
leistungsumfang: potentialstudie

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