partizipation in planung
wohnumfeldgestaltung als partizipativer prozess im ehemaligen domagk areal, münchen (d)
seit 2012

partizipation und planung. das wohnbauprojekt der genossenschaft wagnis eg liegt auf dem einzigartigen gelände der ehemaligen funkkaserne, dem domagk-areal im münchner norden. nachdem die kaserne aufgegeben wurde, siedelten sich hier über jahre hinweg künstler aus der ganzen welt an und bildeten zeitweise europas größte künstlerkolonie. bereits seit 2002 hat bauchplan ).( einen besonderen bezug zu diesem gelände, als das landschaftsarchitekturbüro am zweiphasigen städtebaulichen realisierungswettbewerb zur neugestaltung des domagk-areals und den darin liegenden quartieren mit einem ankauf ausgezeichnet wurde. seit 2012 entsteht westlich des verbliebenen „kunsthofs“ eine aus fünf wohnhäusern bestehende wohnanlage, mit besonderem anspruch an kunst und kultur.

das projekt verbindet wohnen und arbeiten in einer gemeinschaft mit experimentellen wohnformen und einem aktiven beitrag für das entstehende quartier. die architektur und freiraumgestaltung weisen das gewöhnliche hinaus. freiheitsgrade und offenheit sind dabei zentrale faktoren. fünf polygonale baukörper, die 138 wohneinheiten sowie eine vielzahl von möglichkeitsräumen und öffentlichen nutzungen beinhalten, sind durch brücken im dritten und vierten stock verbunden. durch diese zusammenführung entsteht eine vielgestaltige einheit, die auf dachflächen, in den innenhöfen und in der verknüpfung mit dem stadtraum gelebt werden kann: es entstehen teilräume mit hoher, aber sehr vielgestaltiger qualität der nutzung, sowie unterschiedlichen graden an öffentlichkeit. dachgärten und terrassen des ensembles sind essenzieller teil dieser aufenthaltsräume. gegenüber dem straßenniveau sind private und gemeinschaftliche bereiche angehoben. neben aufenthaltsmöglichkeiten erlauben die höfe auch individuelle bespielungen. einzel- und gemeinschaftsnutzung können problemlos nebeneinander bestehen, private freibereiche fügen sich nahtlos zu einem gesamtbild. an der schnittstelle zum öffentlichen straßenraum liegen café, veranstaltungsraum, ateliers, büros, praxen, die öffentlichkeit für ein lebendiges stadtquartier schaffen.

entwürfe wagen, identitäten schaffen. teilhabe ist ein wesentlicher bestandteil der philosophie der wohnungsbau-genossenschaft wagnis eg., die gemeinschaft steht im mittelpunkt. die planerinnen nahmen zunächst eine moderierende rolle ein. die genossinnen wurden von anfang an intensiv in die planungen eingebunden, inhalte und programme in arbeitsgruppen und workshops gemeinsam erarbeitet, die späteren nutzerinnen in die gestaltung miteinbezogen. die ideen der genossinnen wurden erfolgreich umgesetzt. im fokus stand nicht allein die produktqualität der planung, sondern darüber hinaus der laufende prozess ihrer erarbeitung. besprechungen und workshops boten die möglichkeit zum austausch auf augenhöhe, wünsche wurden geäußert und erfahrungen ausgetauscht.

die grunddisposition der vielen und unterschiedlichen nutzungen wurde in der planungsgruppe außenraum als leitbild entwickelt: „zu hause unterwegs“ oder „aus der haustüre raus und schon da.” die positionierung der verschiedenen angebote wurde in einem „programm”-modell gemeinsam abgewogen. das ziel spezifischer möglichkeitsräume wird mit grundsätzlichen freiraum-typologien erreicht, die einen gestaltungsrahmen definieren. innerhalb dieses gerüsts sind für die genossinnen vielfache chancen zur interaktion und entwicklung eines flexibel nutzbaren freiraums vorhanden. bei der ausstattung mit mobiliar und bei der bepflanzung werden die künftigen bewohnerinnen in eigenarbeit aktiv. im gesamten projekt bleiben freiheiten für das zeitweilige oder dauerhafte bespielen durch alle formen von kunst offen. der planungsprozess, der in teilen auch künstlerinnen der ehemaligen kolonie einbinden konnte, führt eine eigenständige identität des areals von einer zwischennutzung in einen stadtbaustein über. zusammen bestimmen die bewohnerinnen die individuelle identität von wagnisart und tragen diese in das gesamte kasernenareal hinaus. das projekt wurde bereits vor fertigstellung mit dem deutschen städtebaupreis 2016 ausgezeichnet.

auftraggeber: genossenschaft wagnis eg
größe: 1 ha
kosten: 1,1 mio euro
leistungsumfang: lph 1-9
kooperation: auböck/kárász, bogevisch, schindler/hable, köhler architekten
auszeichnung: deutscher städtebaupreis 2016
ausstellung: keine angst vor partizipation! architekturmuseum münchen 17.03. bis 12.06.2016
veröffentlichung: garten+landschaft, callwey 09/2014, süddeutsche zeitung 13.09.2016
bilder: d. riek / vidadmedia, bauchplan ).(

externe links: wohnbaugenossenschaft wagnis, deutscher städtebaupreis 2016

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