unserseeparkstadtquartier - komplexität als generator
gestaltung der öffentlichen räume im seepark-stadtquartier wien-aspern (a)
2015

Die öffentlichen Räume werden als räumlich-atmosphärische wie auch zeitliche Träger des künftigen Seeparkquartiers verstanden. Die komplexen Anforderungen an die Freiräume als Bindeglied werden im Sinne eines Generators für künftige öffentliche Vielfalt produktiv genutzt. Das Seeparkstadtquartier wird als hybride Platzraum-Gassen-Abfolge mit dynamischen Übergängen und Schaltmöglichkeiten interpretiert. Das klassische Verständnis von öffentlichem Raum, von Sockel zu Sockel begrenzt, wird von einer ein- und ausgreifenden Raumauffassung der Erdgeschosszone abgelöst.

Diesem Verständnis zur Folge sind die Ziele des gewählten Ansatzes zweigeteilt: zum Einen möchte der Entwurf durch einen dezidierten Gestaltungswillen ein breites Angebot spezifischer Atmosphären mit hohen Identifikations- und Aneignungspotentialen zur Verfügung stellen. zum Anderen ist es strategischer Ansatz, ein auf Entwurfsparametern basierendes, zunächst offenes System anzubieten, das auf veränderliche Variablen in verschiedensten Projektabschnitten flexibel und stets Gestalt generierend reagieren kann. Der letztendlich an die Nutzerinnen übergebenene urbane Möglichkeitsraum zeichnet sich durch eine spezifische Vielschichtigkeit und Interpretationsoffenheit aus. Er resultiert aus einem integrativen, lernenden Abwägungsprozess. Der Mehrwert entsteht somit über den gesamten Prozess hinweg. Das gebaute Resultat wird und soll dies widerspiegeln. Im Gestaltungsprozess werden zunächst bereits bekannte Parameter form- und identitätsstiftend zu einem urbanen Grundgerüst überlagert. Verstärkte Gewichtung erhält die räumlich, markant prägende Auflage, 50% der Niederschlagsmengen auf öffentlichem Grund lokal zu versickern. Das daraus resultierende Regenwassermanagement basiert auf einem offensiven Umgang mit diesen Parametern: der intelligente Stadtboden versickert durch ein offenes Fugensystem in Teilen an Ort und Stelle. Wo dies gestalterisch oder funktional nur eingeschränkt möglich ist, sammelt er Niederschläge und führt sie nach Abscheiden des stark belasteten Spülstosses über ein technisches Bauwerk in offenen Wasserflächen zusammen. Diese stellen eine markante Abfolge eines urbanen Hygrometers im atmenden Quartiersraum des Seepark-Quartiers dar. Verzögert werden die Niederschlagswasser, in bepflanzten Retentionsräumen der tiefergelegenen Kapillaren, der Versickerung bzw. der Verdunstung zugeführt. Das Wassermanagement wird zum Identifikator und öffentlichen Leitsystem. Es zoniert das atmende Stadtquartier und konzentriert entlang der asymmetrisch verspringenden Entwässerungs-Achsen in den Räumen, nicht an deren Rändern. So entsteht ein autarkes Grundgerüst, variabel im Kontakt mit den Nachbarschaften.

Ein durchgängiger intelligenter Stadtboden wird als demographisches Pixelparkett nach den Ansprüchen seiner späteren Nutzer aus Naturstein- oder hochwertig veredelten Betonsteinplatten entwickelt. Er gewährleistet im Zusammenspiel mit dem Entwässerungssystem Lenkung, Orientierung und Basis-Zonierung. Mit seinem Angebot an Interaktionsmöglichkeiten und Andockstellen offeriert er das Verweben der Erdgeschossnutzungen. Unterflurinfrastrukturen formulieren eine zeitgemäße Basisinfrastruktur für wachsende Aktivitäten. Der Stadtboden artikuliert sich als bodenständiges, zukunftsfähiges Tableau, mit der Chance auf eine gestalterisch erwünschte Patina, im Sinne eines gewachsenen öffentlichen Raumes. Ein Sehbehindertenleitsystem ist im Sinne der Inklusion gestalterisch ebenso integriert, wie das Stecksystem für die modulare Möblierung. Die extensiven Intarsien unter den Baumgruppen sind in wassergebundener Wegedecke  ausgeführt. Haptik und erhöhte Rauigkeit definieren Zonen der Entschleunigung und stärken Aufenthaltsqualitäten. Das flexibles Bodenraster ist mit modularen Ausstattungselementen teilbestückt. Die Möblierung initiiert temporäre Inbesitznahme und Austausch unter neuen NutzerInnen; zugleich stellt sie dauerhafte Wandlungs- und Ausbaufähigkeit sicher. Denkbar sind spezifische Markt-Möbel, Hausbank und Stadtsofa-Typologien, sowie freie Einzelbestuhlungen. Der zentrale Platzhybrid-Raum atmet - sinnbildlich für das gesamte Quartier - im Wechselspiel der Jahreszeiten als öffentliches Hygrometer zwischen Märkten, Veranstaltungen und Alltagsnutzung. Dabei lässt die Raumcharakteristik verschiedene Sichtweisen zwischen atmosphärischer Wohnumfeldgestaltung und repräsentativem Geschäftsvorfeld zu. Die Kapillaren werden als Retentionsräume für Niederschläge und Anwohnerbedürfnisse interpretiert. Als urbane Möglichkeitsräume bieten die Platzgassenhybriden eine hohe Permeabilität und Aufnahmefähigkeit für partizipative Interaktionen an, auch nach der Fertigstellung der Freiräume. Das vorgeschlagene Konzept der Super-Erdgeschosse sieht eine hohe Interaktion zwischen Freiraum und Sockelzonen als Synthese zwischem Gebäude und öffentlichem Raum in hoher Variabilität vor.

Das Beleuchtungskonzept wird gemäß Betreiberwunsch mit den dafür vorgesehenen Standardmastleuchten in Sonderlackierung ausgeführt. Ihre Positionierung in Gruppen ermöglicht die Stärkung von besonderen Orten und die Inszenierung des öffentlichen Raums in der Tag- wie Nachtwirkung. So kann mit der vorgesehen Standardausstattung beispielhaft Merkzeichenfunktion und Serialität im Sinne des Unterhalts sichergestellt werden. Ein orientierendes Vegetationskonzept unterstützt das räumliche Gliederunsgangebot: Pionierstadtbäume sind als Setzungen in klassischen Clumps (Baumgruppen), als Gelenke der schaltbaren Platzhybridräume, ausgesetzt. Tanzende Einzelbäume gewährleisten durch markante Vegetationsbilder im jahreszeitlichen Verlauf eindeutige Orientierung auf der Benutzerebene und binden den Seepark visuell an. Ein Baumsaum bildet den Puffer zum Park. Er nimmt beide Richtungsfahrbahnen, sowie im Wechsel, Zonen für Parken, Anlieferung und Aussengastronomie auf. Als Baum überstandener Boulevard erleichtert dieses belebte Bindeglied die Querbarkeit im Sinne eines „Hinausgehen“ und „Nachhausekommen“ sowie die räumliche Mehrfachnutzbarkeit für tägliches Flanieren und Anlieferungszone des Quartiers. Attraktoren formulieren aus Transiträumen spielerisch nutzbare und zugleich repräsentative Entrées als Leitbild für ein offenes Zusammenleben. Der Wasservorhang am Fenster zur Sonnenallee, das integrierte Kunstwerk am Platz zur U-Bahn, sowie der Wunschturm an der Maria-Tusch-Straße/Ecke Sonneallee unterstützen die Adressbildung in der Nachbarschaft. Der Wunschturm dient zudem als Merkzeichen für die Etappierung und Anlaufstelle für Teilhabeprozesse. Als begehbarer Ausstellungsraum mit Aussicht bietet er Einblick in den Baufortschritt im Quartier. Im Zuge des Vollausbau des Quartiers, nach Überbauung des temporären Wohnens, ist ein Rückbau denkbar.

auftraggeber: stadt wien
größe: 22.000m2
leistungsumfang: wettbewerbsbeitrag
externe links: der standard spectrum

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